VON THORGE SCHRAMM
Die Sonne strahlte, als ich mit meinem Auto über die Hamburger Lombardsbrücke fuhr und einen Blick auf die links gelegene Binnenalster warf, deren glitzernde Wasseroberfläche im Licht funkelte. „Nur noch 400 Meter, dann haben Sie Ihr Ziel erreicht“, spricht mein Navi. Ich biege ab, auf den Neuen Jungfernstieg und komme kurz darauf auf der rechten Seite zum Stehen. Ein beliebter, freundlicher Herr in roter Uniform heißt mich am Eingang Willkommen. Dabei hebt er seinen Hut kurz hoch, setzt ihn kurz darauf wieder auf. Dann nimmt er Autoschlüssel und Gepäck an sich. Ein kurzer hanseatischer Schnack – dann geht es rein in Hamburgs erste Adresse, dem Fairmont Hotel Vier Jahreszeiten. Kaum ein Spitzenhotel prägt die Luxushotellerie weltweit so wie dieses.
Bereits seit 1897 empfängt das Haus seine Gäste. Und auch heute, über 125 Jahre später, weiß man hier den Gast immer wieder erneut zu begeistern. Eine Hotelkolumne von Thorge Schramm.
In kaum einem anderen Grandhotel sind Innovation und Moderne so eng mit Tradition und Beständigkeit verbunden, wie in dem Haus an der Binnenalster. Der Stammgast weiß hier genau, was ihn erwartet – und dennoch wird er immer wieder aufs Neue überrascht. Menschen begeistern und verblüffen – das können Ingo C. Peters (seit über einem viertel Jahrhundert Direktor und Gastgeber des Hotels) und sein Team in Perfektion. Es ist also kein Wunder, dass das Haus zum wiederholten Male im Ranking „Die 101 besten Hotels Deutschlands“ gewonnen hat. Alfred Hitchcock, Walt Disney, Romy Schneider, Peter Ustinov, Tom Jones, Jack Nicholson, Bud Spencer, Robbie Williams, Bill Clinton – allesamt nächtigten bereits hier.
ÜBERBLICK
Das Hotel Vier Jahreszeiten verfügt über 126 Zimmer und 30 Suiten. Das Haus wurde 1897 von Friedrich Haerlin eröffnet und zuletzt 2015 umfangreich modernisiert. Das Hotel ist der höchstmöglichen Klassifizierung 5-Sterne-Superior entsprechend ausgestattet und bietet seinen Gästen luxuriöse Annehmlichkeiten und erstklassigen Service. Die Lage direkt an der Binnenalster bietet eine fußläufige Nähe zu zahlreichen Freizeitaktivitäten.
Das Hotel verfügt über neun Restaurants und eine Bar. Zudem gibt es einen Spa-Bereich mit separaten Herren- und Damensaunen. Für Konferenzen und Veranstaltungen gibt es ebenfalls bestens ausgestattete Räume, acht an der Zahl. Es gibt zudem zahlreiche Annehmlichkeiten, wie einen Turn-Down-Service, einen Concierge oder einen Limousinenservice.
- Eine Übernachtung kostet zwischen 300 € und 12.000 € je nach Zimmerkategorie.
Bildergalerie
- Fairmont Hotel Vier Jahreszeiten Galerie
SERVICE UND GASTFREUNDSCHAFT
Es gibt Hotels, in denen man übernachtet. Im Vier Jahreszeiten wohnt man auf Zeit. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hauses sorgen stets dafür, dass der Gast wirklich Gast ist. Nie hat man dabei wirklich das Gefühl in einem großen Hotel zu sein. Vielmehr fühlt es sich an, als säße man bei guten Freunden im Wohnzimmer. Alles ist sehr individuell. So wird man hier mit immer mit Namen begrüßt. Welchen Wein man gerne trinkt, welcher Platz beim letzten Mal genehm war oder dass eine Unverträglichkeit vorliegt? Dinge, die das Haus nicht vergisst. Man legt wert aufs Detail, Werte werden hier gelebt. Der Service ist persönlich, hat dennoch aber die nötige Distanz. Während man in anderen Hotels und Ketten oftmals immer die gleichen trainierten Floskeln („Hatten Sie eine angenehme Anreise?“, „Ich hoffe, es hat Ihnen geschmeckt?“) hört, sind die Dialoge hier so individuell wie der Gast und die Menschen, die das Haus zu dem machen, was es ist.
Das Hotel ist ein Haus mit Seele – und das spürt man in jedem Winkel. Diese Aussage ist jedoch erst verständlich, wenn man die Atmosphäre während eines Aufenthaltes selbst erlebt hat.
ZIMMER UND AUSSTATTUNG
So individuell wie Mitarbeiter und Gäste des Hauses, sind auch die Zimmer und Suiten. Durch die historisch gewachsene Architektur gibt es nämlich, Grandhotel typisch, keine gleichen Zimmer, sondern viele verschiedene – einige davon sogar mit Alsterblick. Eines haben aber alle gemeinsam: Sie vereinen Luxus ins kleinste Detail mit zeitloser Eleganz. Alle Zimmer verfügen über eine Klimaanlage, mehrere Telefone, kostenfreies (sehr schnelles) WLAN und großen Flachbild-Fernseher mit Pay-TV. Des Weiteren gibt es eine exquisit gefüllte Minibar mit passenden Gläsern für sämtliche Getränke, zudem Tassen für die Teestation und die Kaffeemaschine.
Das absolute Highlight für mich im Haus sind jedoch die individuell angefertigten, riesigen Betten, auf denen es sich in feinster Bettwäsche und zahlreichen Kissen fürstlich schlafen lässt. Ich versichere: Kaum woanders – nicht einmal in den eigenen vier Wänden – schläft es sich wie auf den Betten im Vier Jahreszeiten.
Und ansonsten? Je nach Zimmerkategorie ist die Ausstattung variabel. Zum Standard gehören aber noch ein Schminkspiegel, ein großer Safe (der auch für Laptops geeignet ist) sowie edle Pflegeprodukte von Le Labo aus New York im Badezimmer. Das geht kaum besser.
KULINARIK
Für Gourmets und Gourmands hat das Vier Jahreszeiten einiges zu bieten. Neben dem Café Condi (Frühstücksrestaurant) und der Condi Lounge (Bistro), gibt es ein hanseatisches Restaurant (GRILL), ein japanisch-peruanisches (NIKKEI NINE) und das Gourmetrestaurant Haerlin, in dem Christoph Rüffer seine Gäste empfängt. Die gemütliche Wohnhalle zwischen Lobby und GRILL ist für ihren Afternoon Tea berühmt-berüchtigt. Bei gutem Wetter bieten die Jahreszeiten Terrasse an der Binnenalster und die Dachterrasse des Hauses kleine Leckereien und Erfrischungen an.
Das Frühstück im Café Condi ist der perfekte Start in den Tag. Auf die Gäste warten frisch gepresste Säfte, frische Backwaren, Eierspeisen sowie eine reichhaltige Auswahl hochqualitativer Käse- und Wurstsorten. Selbstverständlich gibt es auch frisches Obst, Joghurt, Müsli und feine Antipasti. Abgerundet wird alles von erlesenen Kaffeespezialitäten.
Mein absoluter Favorit ist der GRILL, der erst vor kurzem neu eröffnet wurde. Hier gibt es hanseatische Spezialitäten und klassische Küche. Für Seafood-Liebhaber hat das Restaurant von Austern, Jakobsmuscheln bis hin zum Hummer alles zu bieten. Das begeistert mich hier aber weniger – vielleicht auch, da ich keinen Fisch esse. Jedes gute Lokal hat eine Spezialität, neudeutsch sein Signature Dish. Für mich ist das hier das Steak Tartar, welches von der freundlichen Bedienung am Tisch frisch zubereitet wird. In das handgeschnittene Rinderfilet kommen neben einem Eigelb wahlweise zum Beispiel Charlotten, Senf, Worcestersauce, Anchovis oder Cognac hinzu. Als Beilagen gibt es frische Bratkartoffeln mit Speck und Zwiebeln oder klassisch Pommes Frites. Für das gute Gewissen kommt ein kleines Salatbouquet dazu.
Wer kein Freund von rohem Fleisch ist, dem kann ich das Wiener Schnitzel sehr ans Herz legen. Ein Gericht, bei dem bei der Zubereitung in den meisten deutschen Restaurants für jeden Wiener wie ein Stich ins Herz ist, wird hier in aller Kunst in feinstem Butterschmalz geschwenkt, sodass das Fleisch saftig und die Panade goldbraun souffliert ist. Als Beilage gibt es goldbraune Bratkartoffeln und einen Gurkensalat.
Ich als großer Freund der klassischen Küche erfreue mich auch immer wieder an meinem Leibgericht Steak frites – mein Favorit im GRILL: Das Rinderfilet aus Nebraska aus dem 800-Grad-Ofen mit Sauce Bernaise, goldbraunen Pommes sowie getrüffelte Pommes.
Die Krönung eines jeden Besuches ist der am Tisch flambierte Crêpe Suzette. Dabei wird ein hauchdünner Crêpe in einem Orangenlikör auf offener Flamme in einer Pfanne flambiert. Dazu gibt es eine Kugel Vanilleeis aus eigener Herstellung (Wechsel zu anderen Sorten wie Pistazie oder Salz-Karamell möglich). Wer den Abend dann doch lieber herzhaft ausklingen mag und zudem ein Käsefreund ist, wird viel Freude mit den Werken von Käsepabst Bernard Antony aus dem Elsass haben. Antony zählt zu den weltweit bekanntesten und gefragtesten Affineuren von Käse. Er veredelt verschiedene Käsesorten zur Perfektion – ein ganz besonderes Geschmackserlebnis.
FREIZEITANGEBOT UND AKTIVITÄTEN
Das Hotel bietet durch seine zentrale Lage zahlreiche Erlebnisse direkt in der Umgebung. Wer Lust auf einen ausgiebigen Shoppingtrip hat, dem liegen das Alsterhaus, der Neue Wall sowie die Europapassage direkt zu Füßen. Architektonische Sehenswürdigkeiten wie das Rathaus, der Michel und die Staatsoper können von hier aus optimal erkundet werden.
Wer bei schlechtem Wetter im Hotel bleiben möchte – oder auch einfach nur, um die Atmosphäre zu genießen, der kann den umfangreichen Spa- und Fitnessbereich nutzen. Zahlreiche Sportgeräte auf höchstem Niveau warten darauf ausprobiert zu werden. Der Wellnessbereich ist genau das Richtige für all‘ diejenigen, die Erholung und Entspannung suchen. Wer sich hier entspannen will, kann dies in der Salzsteinsauna tun, die sogar nach Geschlechtern getrennt ist. Meine persönliche Empfehlung ist die einstündige „Vier Jahreszeiten Massage“, bei welcher der ganze Körper mit erlesenen Ölen massiert wird. Zur Entspannung geht es dann ins Kaminzimmer, wo man sich nach erfolgter Massage bei einer Tasse Tee optimal erholen kann. Nach einem anschließenden Saunagang lässt es sich herrlich auf der Dachterrasse abkühlen. Wer im Hotel jedoch das kühle Nass sucht, wird lange beschäftigt sein. Hotelgründer Friedrich Haerlin hielt dies damals nämlich nicht für nötig. Seine Gäste hätten schließlich alle ein eigenes Schwimmbad.
PERSÖNLICHES FAZIT
Das Fairmont Hotel Vier Jahreszeiten ist ein wahres Unikat. Von daher wird es niemals möglich sein, alle Details des Grandhotels zu erwähnen und zu rezensieren. Das Haus erzählt Geschichten – und das seit 1897. Täglich kommen neue dazu – und jede ist so individuell wie das Haus, der Gast und die Mitarbeiter des Hauses selbst. Es ist eine echte Freude und Ehre hier zu wohnen. Wer eleganten Luxus ohne Dekadenz und Perfektion bis ins kleinste Detail liebt, wird sich in der ersten Adresse an der Alster mehr als wohlfühlen. Probieren Sie es aus, Sie werden nicht enttäuscht. Ganz sicher.
Zum Autor: Thorge Schramm ist Globetrotter und Gourmand aus Leidenschaft. Seit jeher ist er in der Medien- und Entertainmentbranche zuhause, so baute er u.a. das Musikportal Schlager.de mit auf. Ebenfalls produziert und veranstaltet er Shows und Konzerte mit inter- und nationalen Künstlern. Seit 2018 ist er für die Nordwest MEDIENGRUPPE tätig, aktuell im Produkt- und Projektmanagement. Wenn nicht anders gekennzeichnet, bereist und besucht er die Hotels und Restaurants, die hier rezensiert werden, auf eigene Rechnung.