Daniel, du hast 2009 die sechste Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" gewonnen. Wie hat dieser Sieg deine Karriere beeinflusst und was waren die größten Herausforderungen nach dem Gewinn?
Man hatte natürlich durch den Sieg und die Show an sich direkt ein großes Publikum. Das Problem ist leider, dass man diese Präsenz kaum halten kann. Es ist kein Geheimnis, dass es dann gerade auch bei RTL schwieriger mit der Präsenz wird, wenn man nicht mehr mit Dieter arbeitet. Woran das liegt, ist eine gute Frage, die ich selbst nicht so genau beantworten kann. Ich bin musikalisch meinen eigenen Weg gegangen und habe über Jahre dafür gekämpft und gearbeitet, um die Musik zu veröffentlichen, die ich machen will. Ich mache 15 Jahre nach der Show noch Musik und darauf bin ich stolz. Könnte alles besser laufen und die Präsenz höher sein? Klar, aber alles in allem bin ich dankbar, dass ich das machen kann, was ich liebe.
Deine erste Single "Anything but Love" und dein Debütalbum "The Album" waren sehr erfolgreich. Wie hast du diese Erfolge erlebt und welche Auswirkungen hatten sie auf deine Karriere?
Im Nachhinein konnte ich diese Erfolge gar nicht so richtig genießen. Ich meine, zu dem Zeitpunkt bin ich ständig unterwegs gewesen und es ging nach der Show auch einfach super schnell. Ich bin aber heute noch stolz darauf. Sowas darf nicht jeder erleben und auch wenn es 15 Jahre her ist, bleibt mir das für immer.
Mit Alben wie "Nothing to Lose" und "Diversity" hast du dich weiterentwickelt. Wie würdest du deinen musikalischen Stil heute beschreiben und welche Einflüsse prägen deine Musik?
Meine Musik heute geht eher in eine elektronischere Richtung, ist aber definitiv Popmusik. Ich probiere mich aber gerne aus, was Genres betrifft und lasse mich da eigentlich gerade die letzten Jahre nicht beschränken. Einige finden das gut, andere nicht. Aber ich denke, für jeden ist was dabei.
Persönliche Erfahrungen und Engagement für LGBTQIA+ In einem Interview hast du erwähnt, dass du auch in deiner DSDS-Zeit immer wieder erpresst worden bist, deine Homosexualität öffentlich zu machen. Wie konntest du mit diesem Druck umgehen und welche Unterstützung hast du in dieser Zeit erhalten?
Während DSDS würde ich nicht sagen, ich wurde erpresst. Man hat versucht, es aus mir rauszukitzeln. Ich bereue nicht, wie ich es gemacht habe, auch wenn heute noch Leute meinen, ich wäre ein Lügner. Ein Coming-out ist eine Sache, die mich betrifft und damals durch die Medien auch meine Familie und mein Umfeld. Ich muss bereit für diesen Schritt sein. Es ist nicht so, dass mein engstes Umfeld es nicht wusste. Mein Coming-out hatte ich im privaten schon viel früher. Das öffentlich zu machen ist ein großer Schritt, für den man bereit sein muss. Daher habe ich das Thema anfangs verneint und irgendwann sehr neutral darüber gesprochen und kein Geschlecht genannt, wenn ich solche Fragen beantwortet habe. Am Ende war mein Coming-out keine große Sache und es war zu meinen Bedingungen, zu dem Zeitpunkt, an dem ich dafür bereit war.
Was hat dich letztendlich dazu bewegt, dich 2014 öffentlich zu outen?
Es war eine gute Mischung aus selbst zu mir stehen zu können, bereit zu sein und meinem damaligen Partner, zu dem ich stehen wollte. Ich wurde auf einem Event gefragt, ob ich alleine da sei. Ich meinte nein, mit Partner. Auf die Frage, was die Partnerin denn beruflich macht, meinte ich, er ist Student. Das war mein Coming-out, völlig ungeplant.
Wie haben sich dein Leben und deine Karriere nach dem öffentlichen Outing verändert? Gab es Unterschiede in der Art und Weise, wie du von der Öffentlichkeit und den Medien wahrgenommen wurdest?
Ich konnte als Künstler und Mensch einfach zu dem stehen, was ich bin. Ich konnte meine Meinung endlich ausdrücken und Dinge unterstützen, die mir schon immer wichtig waren. Klar habe ich Fans verloren, die enttäuscht von mir waren und es gab Menschen, die mich verurteilt haben. Nichtsdestotrotz sind viele geblieben und haben mich als Künstler und Menschen weiterhin geschätzt, unabhängig davon, wen ich liebe. Einerseits gab es auch mehr homophobe Kommentare, aber lustig war, dass es einigen auch den Wind aus den Segeln genommen hat.
Pride Month und LGBTQIA+-Engagement: Was bedeutet der Pride Month für dich persönlich und wie feierst du diesen Monat?
Ich finde die Idee des Pride Month sehr schön und Sichtbarkeit, um für unsere Rechte zu kämpfen, ist gerade jetzt einfach enorm wichtig. Ich feiere diesen Monat aber nicht speziell. Ich bin das ganze Jahr stolz auf das, was ich bin. Aber klar freue ich mich auf die CSDs und wie viel positive Energie die Menschen dort verbreiten.
Du engagierst dich für die Rechte der LGBTQIA+-Community und bist Teil des Projekts "100% Mensch". Wie wichtig ist dir persönliches Engagement?
Für mich, der länger gebraucht hat, um zu sich zu stehen, ist es super wichtig. Nicht jeder wächst in einem Umfeld oder einer Stadt auf, in der es leichter (komisches Wort dafür) ist, sein Coming-out zu haben. Es gibt aber nach wie vor sehr viele junge Menschen, die aus Gebieten und einem Umfeld kommen, in denen es nach wie vor als etwas Schlechtes gilt. Meine Geschichte und wie ich zu mir stehe und mein Engagement zeige, hilft vielleicht gerade diesen Menschen, den Mut zu fassen. Darüber hinaus ist es wichtig, dass wir alle für Gleichberechtigung kämpfen. In der Community gibt es so viele Menschen, die es uns ermöglicht haben, so zu leben, wie wir es heute können. Und wir müssen alle weitermachen, damit es auch so bleibt. Da können Frau Weidel und andere gerne sagen, sie sind kein Teil dieser Community. Sie sollten aber bedenken, dass sie ohne diese Community und den Kampf dieser heute nicht so offen und frei leben könnten, wie sie es tun.
Du hast in diesem Jahr auf dem CSD Oldenburg gespielt und bist auch sonst gern gesehener Gast auf Events der LGBTQIA+-Community. Wie wichtig ist es für dich, ein Vorbild für junge Menschen zu sein, die mit ihrer Sexualität zu kämpfen haben?
Wie davor schon geschrieben (ich greife gerne vor) ist es bei mir vielleicht einfach meine Geschichte und wie schwer es mir fiel. Deshalb bin ich bei dem Thema vielleicht auch so dabei, weil ich vielleicht ein Beispiel dafür bin, wie man nach so einem Coming-out aufblüht.
Mit Songs wie "Venus or Mars" und "Hypnotized" setzt du ein Zeichen gegen Homophobie. Welche Botschaft möchtest du mit deiner Musik vermitteln und wie reagieren deine Fans darauf?
Meine Songs spiegeln das wider, was in meinem Leben gerade so passiert. Klar schreibe ich, wenn ich über Liebe schreibe, über einen Mann und das kaschiere ich auch nicht. "Venus or Mars" war ein Song, den ich geschrieben habe, nachdem ich viele Artikel über homophobe Übergriffe gelesen habe und selbst sehr viele Hasskommentare erhalten habe. Die Grundbotschaft ist aber einfach, dass ich mit meiner Musik ehrlich sein will, unabhängig davon, ob der Song einen LGBTQIA+-Bezug hat oder nicht.
Welche Projekte und Ziele hast du für die Zukunft, sowohl musikalisch als auch in Bezug auf dein Engagement für die LGBTQIA+-Community?
Ich arbeite gerade an neuer Musik. Damit lasse ich mir so viel Zeit, bis ich happy bin. Es wird sicher einen LGBTQIA+-Bezug geben, gerade wenn man sieht, wie sich die politische Lage in unserem Land verschoben hat. Zusätzlich werde ich nächstes Jahr über mehrere Monate mit "This is the Greatest Show" auf Musicalreise durch Deutschland und Österreich sein. Ich freue mich da schon sehr drauf. Für mich etwas ganz Neues und daher super spannend.